Downloadplan Jetson

Downloadplan Jetson

Rudercheck, Vollgas, ein kleiner Schubs nach schräg oben, und ab geht die Post. Halbe Rolle und im Rückenflug den Aufschwung zum Looping. Am Scheitelpunkt folgt eine langgezogene Vierzeitenrolle mit weiträumigem Abschwung zum rasanten Platzüberflug, bis sich die Grashalme ducken. Und schon ist es da – das viel zitierte breite Grinsen mit dem dazugehörigen leisen Kichern nach innen.

Bei diesem Modell handelt es sich um eine Eigenkreation zur Steuerung über Quer / Höhe / Motor, deren kreativer Ursprung aus einem unerwarteten Geistesblitz mit an­­schließendem hektischen Griff zum Notizblock stammte – „… ich brauch’ was zum Schreiben! Ich brauch’ was zum Schreiben…!“. Ein paar Bleistiftstriche später stand fest: das muss möglichst genau so gebaut werden. Und es müsste eigentlich schnell und unkritisch zu fliegen sein, aber das wird sich dann ja zeigen.

Urmodell
In der Werkstatt entstand daraufhin ein Modell des Modells, und zwar in halber Größe. Das Original hingegen besitzt noch immer handliche 600 Millimeter (mm) Spannweite. Also baute ich zunächst einen Wurfgleiter mit niedlichen 300 mm Abmaßen aus halbiertem Depron. Auf diese Weise ließ sich das Rumpfkonzept mit seinem Dreiecksquerschnitt und den charakteristischen Flügel­anformungen rasch umsetzen, ohne erst stundenlang am Zeichenbrett konstruieren zu müssen.

Tatsächlich zeigte dieser Mini-Urtyp mit seinen profilierten Flügeln einen verblüffend gestreckten, majestätisch langen Gleitflug. Die Schwerpunktlage mit der dazugehörigen EWD lässt sich hierbei durch einen festen Wurf herausfinden: macht das Modell einen gaaanz großen Looping, ist alles in Ordnung. Ein zu enger Looping bedeutet Schwerpunkt zu weit vorn und EWD zu groß. Eine pfeilgerade Flugbahn deutet auf Schwerpunktrücklage mit zu geringer EWD hin.

Aus Klein wird Groß
Eigentlich viel zu schade zum Zerlegen, aber ich konnte dem Zwerg eine Waschbenzindusche nicht ersparen. Dadurch lösen sich nämlich sämtliche Uhu Por-Verkle­bungen, und die Einzelteile können auf den Scanner ­wandern. Korrekt skaliert, lassen sich so am Computer die Umrisse prima nachzeichnen und nachträglich korrigieren. Rasch entstand auf diese Weise eine erste Rohversion des Bauplans, nach welcher der erste Prototyp im Maßstab 1:1 gebaut wurde. Dieser deckte dann die unvermeidlichen Ungereimtheiten in den Einzelteilkonturen auf, sodass ein zweiter Prototyp benötigt wurde, um die Fehlerfreiheit des nunmehr korrigierten Plans zu verifizieren. Das klingt vielleicht etwas umständlich, aber der Rohbau des Jetson besteht aus überschaubaren 15 Depron-Einzelteilen und ist ruck, zuck an einem dreistündigen Feierabend erledigt. Teile ausschneiden, schleifen, wölben und zusammenkleben. Das ist alles, was man zu tun hat.

Vor dem Bau muss natürlich erst der Bauplan in Papierform bereitliegen. Laden Sie ihn sich aus dem Downloadbereich der Modell AVIATOR-Homepage herunter und drucken Sie ihn unskaliert auf dem A4-­Drucker aus, möglichst farbig. Mit Tesafilm werden dann jeweils bis zu drei Einzelseiten zusammengesetzt, sodass größere Flickwerkerei unnötig ist. Ich empfehle dann gern, dass Sie mit einem Hauch 3M-Sprühkleber die Bauplanabschnitte auf dem Depron-Material anheften (benötigt werden 3- und 6-mm-Depron) und dann mit einem frischen, scharfen Skalpell durch die Bauplanlinie hindurch das jeweilige Einzelteil sorgfältig heraustrennen. Verwenden Sie dazu 6-mm-Depron als Schneid­unterlage, dann wird die Klinge nicht so schnell stumpf und die Bauteilunterseite reißt nicht aus. Insgesamt fällt das Bauen leichter, wenn man eine ­gewisse Grund­kenntnis im Umgang mit plattenförmigen Hamburger­verpackungen besitzt. Und den eisernen Willen mitbringt, die vielen hilfreichen Hinweise im Bauplan zu lesen und zu verstehen.

Für Vielflieger
Der Jetson ist grundsätzlich sogar recht einfach zu fliegen, da er angenehm unkritische Abreißeigenschaften und eine sehr geringe Mindestgeschwindigkeit besitzt. Dennoch ist er als Kunstflug-Racer nicht eigenstabil, will also in seiner Fluglage stets mit dem Querruder gesteuert werden. Den fortgeschrittenen Piloten erfreut er dafür mit zackigen Lastwechselmanövern und einer je nach Ruderausschlag irrwitzigen Rollrate.

Man kann das Modell demnach entweder mit einem Powerantrieb ausstatten – das wären Brushlessmotoren der Gewichtsklasse von 20 bis 35 Gramm (g) – oder aber auch leicht und gemütlich umherfliegen, nämlich mit einer Diät-Antriebsmasse von 10 bis 20 g in der Schnauze. Da hier eine weite Bandbreite möglich ist, richtet sich die Platzierung der weiteren RC-Komponenten nach dem Einhalten des Schwerpunkts. Umso schwerer der Antrieb, desto weiter zurück müssen Empfänger, Höhenruderservo und Akku weichen. Aus diesem Grunde lässt der Bauplan sowohl die exakte Motoreinbauposition wie auch die Angaben über den RC-Einbau und Motorimplantation ganz einfach frei. Mehr als: Nase ab, Kopfspant dran und Motor ran muss man ohnehin nicht tun. Beachten Sie lediglich die Einhaltung von Null Grad Motorsturz in Bezug zum Höhenleitwerk sowie Null Grad Seitenzug, dann wird die Kiste sicherlich zur vollsten Zufriedenheit fliegen.

Ausgedacht
Der Flügel besitzt ein nicht näher zu bezeichnendes Eigenkreationsprofil. Dieses verrichtet seinen Dienst prima, solange man beim Bau mit der gegebenen Sorgfalt darauf achtet, Verzüge zu vermeiden und beim Einstellen der Ruderausschläge nochmals penibel von vorn über die Nasenleiste peilt. Auf diese Weise kann man mit den Querrudern dafür sorgen, dass beide Flächenhälften ­wirklich identisch sind und keine Überraschungen
beim Erstflug bereithalten. Zwischen Ober- und Unterbeplankung der Deprontragfläche genügt ein simpler Depronholm vollauf, um auch den wildesten Flug­ma­növern zu widerstehen. Durch eine definiert konturgewölbte Oberbeplankung sind zum Bau nicht einmal Rippen notwendig.

Es hat übrigens seinen guten Grund, dass das Seitenruder nicht angelenkt ist. Warum soll ich’s verschweigen: es würde schlichtweg nicht funktionieren, ich hab’s ausprobiert. Es liegt vermutlich zu hoch, und in Kombination mit Null Grad V-Form des Tiefdeckers ergibt sich eine vollkommen ungewollte Reaktion, und zwar ein ausgeprägtes negatives Rollwendemoment. Sprich: Seitenruder rechts bewirkt ein Rollen nach links, und umgekehrt. Das ist aber nicht wirklich schlimm, da der Jetson auch allein mit Quer und Höhe prima zu kontrollieren ist. Würde man ihn seitenrudertauglich machen, müsste man signifikant in die Optik eingreifen. Das Ding sieht einfach fetzig aus und macht in der Luft einen Höllenspaß für wenig Geld und noch weniger Aufwand. Was will man mehr?