Zonda F5J von Tomahawk Aviation im Preview

Zonda F5J von Tomahawk Aviation im Preview

Hin und wieder kann, darf, ja, muss es ein bisschen mehr sein. Viel Kohle für sein Geld bekommt, wer sich für den Zonda F5J von Tomahawk Aviation entscheidet. Mit dem brandneuen Superleichthighendthermikelektrosegler debütiert ein faszinierendes Stück Modelltechnik auf des Modellfliegers Grün.

Im Rumpf betriebsbereit verbaut sind zwei KST-Servos zur Anlenkung von Höhen- und Seitenruder

Stephan Plewinsky von Tomahawk Aviation ermöglichte der Modell AVIATOR-Redaktion, einen exklusiven ersten Blick auf die Top-Neuheit werfen zu können. Was sich da an federleichter Spitzentechnik in den Händen halten ließ, begeisterte die Modellfliegerseele vom ersten Moment an. Auf respektable 3.600 Millimeter (mm) Spannweite und 1.720 mm Gesamtlänge bringt es der Zonda F5J. Angesichts dieser Dimensionen sorgt das Standard-Abfluggewicht von 1.350 Gramm (g) für mächtig viel Eindruck. Da klappt zwar auch dem letzten Skeptiker die Kinnlade runter, allerdings ist das Gewicht nicht das einzige Superlativ des Modells.

All inclusive

Mag es zunächst als Sakrileg erscheinen, einen Highend-Segler in PNP-Ausführung anzubieten, so ist diese Entscheidung hier eine goldrichtige. Sie entspricht einerseits dem Zeitgeist. Andererseits garantiert sie, von Beginn an ein optimal aufbereitetes RC-Modell sein Eigen nennen zu dürfen. Den all inclusive-Gedanken des PNP-Konzepts erwartungsgerecht in einem Highend-Segler zu verwirklichen, fördert überdies das Knowhow des Herstellers zutage. Lediglich in die Servo- und Antriebskiste zu greifen, reicht in der Preisklasse nicht aus. Tomahawk Aviation hat seine Hausaufgaben gewissenhaft und gründlich gemacht. In diesem PNP-Modell kommen RC- und Antriebskomponenten zum Einsatz, die professionellen Anforderungen entsprechen.

Ein gängiger Brushles-Regler mit 5-Ampere-BEC und einer maximalen Belastbarkeit von 50 Ampere bei 2s- bis 4s-LiPos reicht völlig aus

Ausnahmslos entschied man sich für die Verwendung von KST-Servos. Sowohl für das Höhen- als auch das Seitenruder fiel die Wahl auf jeweils ein KST X08 Plus. Ausgestattet mit einem Metallgetriebe ist dieses Alu-ummantelte Digitalservo 9 g leicht und liefert mit maximal 5,3 Ncm Stellmoment bei 8,4 Volt (V) die gewünschte Kraft und Präzision. In F3J und F5J hat es sich mehrfach in der Praxis bewährt. Das trifft auch auf das nahezu identische KST X08 H Plus zu, das bei den Querruderservos zum Einsatz kommt. Für eine etwas kraftvollere Ausführung entschied sich der Hersteller bei den Wölbklappen. Hier ist jeweils ein KST X10 Mini verbaut, ein originäres Flächenservo. Alle Rudermaschinen sind ab Werk betriebsbereit installiert und in passenden Servorahmen eingesetzt. In den Flächen realisierte Tomahawk Aviation spielfreie, exakte IDS-Anlenkungen. Ohne Übertreibung darf man diese Serviceleistungen mit Upper-Class-PNP betiteln.

Je zwei CFK-Flächenverbinder im 5- oder 7-Grad-Winkel liegen bei. Die schwimmende Lagerung wird mit einem Streifen Tesa ergänzt. Ab Werk eingebaut ist die Kontaktsteckung für das jeweilige Querruderrervo

Durchdachtes E-Konzept

Mit dem E-Konzept steht und fällt der Erfolg eines F5J-Modells. Spielt der Preis keine Rolle, kann man hier Edel-Antriebe einsetzen, die Platin-eingefassten Diamanten in Blattgold-Umverpackung entsprechen, um in den beim F5J-Wettbewerb maximale erlaubten 30 Sekunden Motorlaufzeit auf mondänste Weise Energie zu atomisieren. Es geht aber auch effizienter – ohne dabei auf Hightech verzichten zu müssen. In der Nase des Zonda ist ein Axi 2217/12 V2 Long F5J eingeschraubt, der eine 12 x 6-Zoll-CAM-Carbon-Luftschraube von aero-naut dreht.

Für sich genommen ist der Motor ein überraschend preiswerter Spezialist und scheint damit zunächst nicht zum Zonda passen zu wollen. Tatsächlich ist die Wahl absolut praxisgerecht und beim zweiten Nachdenken ziemlich kompromisslos. Optimal geeignet ist der 74 g leichte und 27,7 mm im Durchmesser große 14-Pol-Außenläufer laut Hersteller Axi für leichte Segelflugmodelle bis 1.200 g Abfluggewicht im 3s-LiPo-Betrieb. Mit 1.380 kv ist die spezifische Drehzahl arttypisch. Der kleine BL leistet bis zu 400 Watt. Erwarten würde man den Antrieb jedoch mehr in Modellen mit wesentlich geringerer Spannweite. Er drängt sich dort und schließlich auch beim Zonda nicht allein aufgrund seiner Leistung und des Gewichts auf, sondern seine Bauweise mit konischer Motorfront macht ihn zum idealen Kandidaten, in der engen Rumpfnase Platz zu nehmen. Das ist gut durchdacht.

Beim Prototyp ist noch ein Plastikspinner verbaut, dem PNP-Modell liegt einer aus Alu bei. In der Rumpfnase ist ein F5J-optimierter Brushless-Motor von Axi eingebaut

Da die Anforderungen an den Regler nun wirklich niedrig sind, ist die Entscheidung für den Ro-Control 50A nachvollziehbar. Beim Akku sind 3s-LiPos zwischen 850 und 1.200 Milliamperestunden Kapazität gefragt, die erstens der zu erwartenden Strombelastung standhalten und zweitens wenig Gewicht mitbringen.

Schwarzes Gold

Um bei 3.600 mm Spannweite auf 1.350 g Abfluggewicht zu kommen, ist eine intelligente CFK-Bauweise unausweichlich; siehe Tabelle Einzelgewichte. Tomahawk Aviation fertigt den Zonda F5J in Negativ-Form-Schalentechnik. So bestehen die drei Tragflächenteile und die Leitwerke aus biaxialem 30-g-Carbongewebe, die mit einer Lage 30-g-GFK-Gewebe sowie 1-mm-Airex-Stützstoff versehen sind. Die sichtbaren Fasern und die exzellente Oberflächenqualität beeindrucken. Seinen Preis hat diese zwar stabile, jedoch leichtgewichtige Konstruktion allerdings in der „Druck“festigkeit. Beim Zusammenfügen von Außen- und Mittelfläche über den massiven CFK-Flächenverbinder ist mit Gefühl vorzugehen, um keine „manuellen“ Druckstellen und Dellen in den schicken Flächen zu hinterlassen. Eine Besonderheit in dem Fall ist, dass je zwei Verbinder in 5- und 7-Grad-Ausführung beiliegen.

Auf einem Pylon liegend und mit M3-Schrauben fixiert das Höhenleitwerk. Das Ruder ist von unten über einen ebenfalls lösbaren Anlenkhebel angeschlossen

Hochwertiges 160-g-Carbongewebe kommt beim Rumpf zum Einsatz. Vorne besteht dieser aus einer deutlich sichtbar gekrümmten Rumpfkeule in Schalenbauweise. Nach hinten ist ein konisch zulaufendes Rohr angesetzt, an dessen Ende befindet sich ein Pylon für das Höhenleitwerk und eine Auflage mitsamt CFK-Stäben zum Aufschieben des Seitenleitwerks. Die jeweiligen Ruderhörner sind noch mit den ab Werk eingebauten Anlenkungen zu verbinden. Abschließend sind lediglich der Einbau des Empfängers – dessen Antennen aufgrund des CFKs nach außen zu führen sind – die Konfektionierung des Reglers und/oder Akkus mit Kontaktsteckern und die Programmierung des Senders zu erledigen. Für Letzteres liefert Tomahawk Aviation in der Anleitung erste Empfehlungen der Ruderausschläge für die drei Flugzustände Normal, Thermik und Landung mit.

Aufwändige CFK-Schalenbauweise ermöglicht das geringe Gewicht von 1.350 Gramm des Zonda. Optisch hat der F5J-Segler ebenfalls einiges zu bieten

Up and away

Der künftige Zonda-Pilot benötigt aufgrund der PNP-Auslegung wohl nicht mehr als einen gemütlichen Vormittag oder entspannten Abend zur Fertigstellung des F5J-Seglers, bis dieser erstmals auf Thermiksuche gehen darf. Das verwendete Profil AG-40 spez. soll widerstandsarm und auftriebsstark sein. Die Flächenbelastung mit zirka 18 g/dm2 ist gering. Insgesamt sollte das Leichtwindseglerkonzept aufgehen. Wie gut, das wird dann die künftige Saison zeigen.

Das Seitenleitwerk ist auf am Rumpf befestigte Carbonstäbe aufgesteckt. Hier sind lediglich Anlenkungsdraht und Ruderhorn zu verbinden

Zonda F5J von Tomahawk Aviation
www.tomahawk-aviation.com
Preis: 2.990,– Euro
Bezug: Fachhandel und direkt
Spannweite: 3.600 mm
Länge: 1.720 mm
Gewicht: 1.350 g
Motor: Axi 2217/12 V2 Long F5J
Regler: Ro-Control 50A
Propeller: 12 x 6 Zoll, CAM Carbon
Akku: 3s-LiPo, ab 850 mAh

Einzelgewichte
Rumpf mit Elektrik: 389 g
Höhenleitwerk: 52 g
Seitenleitwerk: 34 g
Fläche links: 150 g
Fläche rechts: 151 g
Mittelfläche: 483 g