Im Gespräch mit Flugmodellkonstrukteur Hilmar Lange

Die Konstruktionen und Baupläne von Hilmar Lange zählen seit Jahren zu den beliebtesten und am weitesten verbreiteten in der Modellsportszene. Wir sprachen mit ihm und wollten genauer wissen, wie er zu seinen Modell-Ideen kommt, was man zum Konstruieren an Know-how benötigt und welche Entwürfe uns zukünftig erwarten. FlugModell: Im Laufe der vergangenen Jahre haben Sie etliche Bauplanmodelle entworfen und Ei­­genbauten realisiert. Wissen Sie, wie viele es sind? Hilmar Lange: Da hat sich tatsächlich so einiges angesammelt, deshalb habe ich mal die Statistik rausgesucht: Es sind insgesamt 36 Baupläne, darunter 14 Eigenent­würfe, 18 vorbildgetreue Nachbauten und vier „Sonstige“, zum Beispiel eine Tiefzieh-Vorrichtung oder Wasserflug-Schwimmer. Eine Übersicht habe ich im Internet zusammengestellt, und zwar in meinem Profil auf www.rclineforum.de. Dort findet man eine Bildergalerie aller Bauplan­modelle, welche ich stets auf dem aktuellen Stand halte. FlugModell: Existieren noch alle Modelle? Hilmar Lange: Nein, natürlich nicht. Ich wüsste auch gar nicht wohin damit. Es gibt durchaus Konstruk­tionen, die mir persönlich nur eine Saison lang Spaß bereiten und dann möglicherweise nach einem Flugtag in Einzel­teilen wieder nach Hause kommen. Absturz ist so ein hässliches Wort. Nennen wir es Verschleiß. Ich lege dort keinen Wert auf Reparaturen. Andere wiederum werden gehegt und gepflegt und sind Dauerbrenner in meinem Sender-Programmspeicher. FlugModell: Können Sie sich noch an Ihre erste Eigenkonstruktion erinnern? Hilmar Lange: Wenn ich mal diverse Wurfgleiter und Gummimotor-Experimente meiner Kindheit ausklammere, fällt mir als erstes wirklich gelungenes RC-Experi­ment ein vorbildgetreuer Depron-Doppeldecker Little Toot ein. Das muss im Jahr 2000 gewesen sein, jedenfalls sah er richtig gut aus und flog zu meiner Verblüf­fung absolut tadellos. Damit mischte ich sogar bei der ersten und zweiten deutschen Meisterschaft im Indoor-Kunstflug mit – das war 2001 und 2002. Damals gab’s noch die Sport-Klasse – einfache Parcours-Figuren – und ich habe stets sagenhafte letzte Plätze belegt. FlugModell: Was war der Auslöser, Modelle selbst zu konstruieren? Hilmar Lange: Das Fliegen mit leichten Modellen hat mich schon immer fasziniert, und als der Werkstoff Depron die Indoorszene eroberte, habe ich gleich voll mitgemacht. Damals war der Markt für wirklich schöne, vorbildgetreue Modelle entweder noch gar nicht entwickelt oder die erhältlichen Modelle waren deutlich zu schwer und viel zu leistungsschwach. Wer selbst baute, hatte von den Flug­ei­genschaften her meistens die Nase vorn. Auch bin ich immer wieder zu wirklich vielen Hallentreffen gefahren, wo ich unheimlich nette und kreative Leute kennengelernt habe. FlugModell: Wie gehen Sie bei der Auswahl eines neuen Modells vor? Was inspiriert sie? Hilmar Lange: Oh, das kann alles Mögliche sein. Als nebenberuflicher Bauplan-Autor habe ich die sensationelle Freiheit alles umzusetzen, was mir so einfällt, und das koste ich voll aus. Mal lässt mich ein Scale-Modell nicht los, und danach kommt mir wie ein Geistesblitz die Silhouette für ein rasantes Jet-Modell in den Sinn. Der FlugModell-Bauplan Jetson (Ausgabe 08/2011) beispielsweise begann mit einer Notizzettel-Skizze, während das Modell Swatter Hase eine sprichwörtliche Schnapsidee war, indem ich vom Namen eines Kräuter­likörs her ein dazu passendes Flugzeug zeichnete. Die besten Modelle entstehen meist von der Idee her innerhalb weniger Minuten. FlugModell: Entstanden die ersten Eigenbauten am Zeichenbrett oder schon am PC? Hilmar Lange: Während meines Studiums lernte ich AutoCad, was dreidimensional ziemlich nervenaufreibend ist. Für den digitalen Ersatz eines zweidimensionalen Zeichen­bretts jedoch habe ich mich auf diese nicht gerade besonders bedienerfreundliche Oberfläche eingeschossen. Das ist nämlich etwas ungewöhnlich: ich konstruiere nach wie vor in 2D. FlugModell: Befasste sich auch Ihre Diplomarbeit mit einem Modellbauprodukt? Hilmar Lange: Ja, meine Diplomarbeit zum Februar 2003 war das Design und Konzept für einen Fernsteuer-Hand­sender. Das Projekt taufte ich Helix Skycommand, für das ich ein am Flugsimulator funktionierendes Modell baute. FlugModell: Wenn Sie ein Modell am PC konstruieren. Wie gehen Sie dabei vor? Hilmar Lange: Am Anfang steht die Dreiseitenansicht, egal ob vorbildgetreuer Nachbau oder eigener Entwurf. Meist lege ich mich auf eine Spannweite fest und erstelle eine stimmige Flugzeug-Außenkontur. Wenn eine Ideen-Skizze mit dem Bleistift wirklich gut war, scanne ich sie ein und zeichne dann digital drüber. Danach geht das Grübeln los, wie man Details in der Depron-Bauweise umsetzen kann. Die eine Hälfte der Problemlösungen entsteht nun im Kopf und die andere Hälfte klärt sich erst indem man drauflos zeichnet. Auf diese Weise werden alle Einzelteile in der klassischen Dreitafelprojektion im Computer gezeichnet. FlugModell: Lassen sich am PC entworfene Modelle 1:1 umsetzen oder sind beim Nachbauen Anpassungen erforderlich? Hilmar Lange: Der feine Unterschied zwischen Theorie und Praxis klebt stets wie Kaugummi am Schuh. Für einen Prototypenbau drucke ich mir die Bauplanseiten zuerst auf Din A4-Blättern aus, genauso wie es der FlugModell-Leser mit seinem Downloadbau­plan auch macht. Wenn man die Bauteile dann in Depron ausgeschnitten hat und zum ersten Mal zusammensetzt, fallen hier und da einige Korrekturen an, welche dann sofort im Bauplan übernommen werden. Meistens stimmt dann auch schon alles – wenn das dabei entstandene Modell auch so fliegt, wie ich es erwarte. Wenn nicht, kommen natürlich wieder Än­­derungen. Was nützt schließlich ein Bauplan von einem Modell das nicht gut fliegt? Das wäre mir jedenfalls zu peinlich. Hinten kommt raus, was funktioniert. FlugModell: Wie lange dauert es von der ersten Idee, bis dass der FlugModell-Downloadplan online ist? Hilmar Lange: Das können auch schon einmal drei, vier Monate werden. Rein statistisch komme ich zwar auf eine bisherige Zahl von sage und schreibe 5,14 Bauplänen pro Jahr, aber das sagt natürlich nicht viel aus. Ein Wurfgleiter kann in einer Woche entstehen, während ein detailreiches Scale-Modell deutlich mehr Aufwand verlangt. Viel Aufwand erfordert auch die Dokumentation: Baustufenfotos müssen festgehalten werden, der Bauplan will in allen Einzelheiten beschriftet sein und zu guter Letzt muss ein Baubericht verfasst werden. FlugModell: Welche Kreationen dürfen wir zukünftig von Ihnen erwarten? Hilmar Lange: Solange ich mich immer wieder neu von allen möglichen Einflüssen inspirieren lasse, kann ich das gar nicht einmal beantworten. Grundsätzlich kommen einfach zu bauende Modelle besonders gut an, wenn diese sehr gutmütige Allround-Eigenschaften zeigen. So wird es immer wieder mal einen netten Elektrosegler geben oder ein betont simples, aber hübsches Elektro-Motormodell. Hin und wieder packt mich der Wasser­flugvirus, dann gibt’s auch etwas dafür. Im Moment sitze ich an einem robusten Parkfly-Racer. Wenn der überzeugt, findet er auch einen Weg in FlugModell.