Gelungene Gratwanderung – delta-835w von Schulze Elektronik

von mario • 13.10.2008 • Kategorie: Technik
• Ausgabe 11/2008

Schulze Elektronik hat dieses Jahr bereits viele Neuheiten vorgestellt. Eine davon ist der PPM-FM-Kleinempfänger delta-835w (acht Kanäle, 35 Megahertz [MHz]). Preislich rundet er die Empfängerpalette nach unten ab. Dabei stand im Pflichtenheft, dass hier keinerlei Kompromisse oder irgendein Verzicht auf die Empfangseigenschaften eingegangen werden. Im Gegenteil, die auf hohem Niveau arbeitende Störunterdrückung, die Großsignalfestigkeit, die hohe Trennschärfe und die volle Reichweite hat der delta vom bewährtem alpha-Empfänger geerbt. Es wurde lediglich sinnvoll an den weitreichenden Konfigurations- und Update-Möglichkeiten gespart.


Der Arbeitsplatz im FunJet von Multiplex für die Empfangshärteprobe. Sie wurde mit Bravour bestanden

Aufgeräumte Platine mit der Quarzhalterung. Der Quarz verschwindet im Gehäuse und wird dadurch gut fixiert

Servosignale mit einem Futaba-Sender bei 3,66 Volt BEC getestet. Hier zeigt der UniTest2, dass sämtliche Daten komplett im grünen Bereich sind (VImp = 3,08 Volt)




Auch der delta kann bei Bedarf von Schulze mit einer neuen Software (Firmware) versehen werden. Dabei geizt er auch nicht mit den Schulze-typischen Merkmalen wie apdr, asc, atss, dsp und s&h mit Störungszähler und Anzeige. Das Kunststoffgehäuse ist verklebt und gut beschriftet, zur Verwendung kommen Standard-Quarze. Die delta-Empfänger werden in zwei Frequenz-Versionen angeboten (35 MHz A/B und 40/41 MHz, 10-Kilohertz-Kanalraster) mit je zwei unterschiedlichen Kanalzahlen (acht Kanäle oder vier plus ein Kanal). Er arbeitet als reiner PPM-FM-Empfänger, der zusätzlich eine digitale Signal­verarbeitung (Atmel-Mega-8-Prozessor) für die Servos aufweist. Er ist zu sämtlichen PPM-FM RC-Anlagen (35- und 40 MHz) kompatibel. Die Antennenlänge ist wegen der vollen Reichweite einen Meter lang, kann aber beim Hallenmodell bis auf 40 Zentimeter gekürzt werden.

Der Blick ins Innere zeigt einen Einfach-Super­het, ausgestattet mit einer Buchse für Standard-Quarze und einem speziellen Toshiba-Emp­fangs­­schalt­kreis (31136). Er wird gerne genommen, da der 31136 eine hohe Empfangs­güte und Zuverläs­sig­keit in der Praxis zeigt. Drei Filter dienen der Kanal-Selektion, zwei Keramik­filter arbeiten in der ZF-Stufe und das Dritte dient zum Unterdrücken von UKW-Sendern. Zur Gro­ßsignalfestigkeit (Sender und Empfänger auf kurzer Distanz) ist ein HF-Abschwächer integriert (asc). Ein digitaler Signalprozessor übernimmt dabei die Servo­impulsaufbereitung (dsp). Seine Aufgabe ist, die Servoimpulse kontinuierlich auf Plausibilität auszuwerten, um bei nicht plausiblen Impulsen zu reagieren. Kommt es zu starken Empfangs­störungen, werden diese ausgefiltert und durch plausible (vorherige) Signale bis maximal 0,2 Sekunden Länge ersetzt (apdr). So werden bei schwachen oder starken (Sender direkt am Empfänger) Empfangssignalen zitternde Servos beruhigt. Fällt das Empfangs­signal länger aus, greift die sample & hold-Funktion für 0,5 Sekun­den (s&h). Erst danach schaltet der delta die Servoimpulse ganz ab, damit zum Beispiel ein Controller den Motor zur Sicherheit ausschaltet.
Unterschiedliche Sender kann der delta an ihrem Übertragungsformat erkennen. Man sagt auch „Fingerprint“ dazu. Den eingesetzten Sender erkennt der Empfänger automatisch und kann dann einen Störer (anderer Sender, nicht gleichen Typs) auf gleicher Frequenz in Grenzen ausblenden (atss). Auf der Gehäuserückseite ist zur Kontrolle eine Empfangsqualitätsanzeige (LED) eingebaut. Sie zeigt an, wie viele Aus­setzer beziehungsweise Störungen man während des Betriebs hatte. Die Leiterbahnen der Servokontakte sind verstärkt, um auch dem höheren Stromaufkommen bei voller Bestückung gerecht zu werden.

Praxis
Für die Praxis mussten mehrere unterschiedliche Aufgaben gemeistert werden. Dazu waren am delta vier Servos (Hitec HS-125MG) angeschlossen. Anschließend wurde die Empfänger­span­nung kontinuierlich von 6 auf 3,6 Volt (V) verringert, was den Totalausfall einer von vier Ni-Zellen simulieren sollte. Gleichzeitig wurden die Servosignale mit einem UniTest 2 dargestellt. Die Servoimpulse zeigten sichere 3,1 Vp (Voltage-peak-Impulshöhe, erst unterhalb von 2,8 Vp wird es für einige Servos kritisch) und waren absolut stabil bei heftigen Servo­be­wegungen. Innerhalb der Norm-BEC-Spannung von 4,8 V betrug die Impulshöhe sehr sichere 3,25 Vp. Das lässt auf eine gute intern stabilisierte Versorgungsspannung (3,3 V) mit hoher Pufferung (Tantalkondensator 150 Mikrofarad) schließen. Der Reichweiten-Vergleichstest (Kanal 75) mit aktiven Nachbarkanälen (Syn­thesizer Sender, 35 MHz, auf Kanal 76 und anschließend auf 74) ergab keine nennenswerten Einbußen gegenüber einem teureren Synthesizer-Emp­fänger. Der darauffolgende Praxistest in einer Kunstflugmaschine bestätigte die exzellente Empfangsqualität. Erst ein Härtetest in einem Multiplex-FunJet konnte der Melde-LED maximal dreifaches Blinken (vier bis sieben Störungen) abringen. Dazu muss er­wähnt werden, dass der FunJet bauartbedingt HF-technisch eine echte Herausforderung darstellt und sehr hohe An­forderungen an die Empfänger stellt. So vor­gewarnt, wurde nun ganz speziell auf Aussetzer oder Ähnliches beim Fliegen geachtet mit dem Ergebnis: Gemerkt hat man nichts. Keine Motoraussetzer oder verzögerte beziehungsweise unkontrollierte Servo­bewegungen trotz der Störanzeige mit ein bis zwei Blinkcodes.
Hier zeigt der delta-Empfänger seine hohe Zu­­­verlässigkeit, gepaart mit einer ausgeklügelten Programmierung zur digitalen Signalauf­berei­tung, einhergehend mit einer ausgezeichneten Selektivität und Empfindlichkeit.